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Normale Version: Reparatur Kombiinstrument für Drehzahl-/Betriebsstundenzähler vom MB Trac 1300
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Moin,

an unseren MB Trac 1300 von 1978 war das Kombiinstrument für Drehzahl- und Betriebsstunden teilweise defekt. Der Stundenzähler ging nicht mehr.
Ich möchte hier meine Reparatur mit ein paar Bildern zeigen - vielleicht nützt es dem einen oder anderen Trac-ler bei ähnlichen Instrument-Problemen.

Bei dem Kombiinstrument handelt es sich um eine rein elektrische Ausführung, also ohne Motor-/Tachowelle.
Das Instrument ist von VDO, auf der "Beschriftungsscheibe" steht ganz außen die Nummer 001 542 8216.

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Die Reparatur selbst war nicht besonders schwierig. Allerdings handelt es sich teilweise um kleine und filigrane Bauteile, also etwas technisches Feingefühl und eine ruhige Hand sind empfehlenswert. Für mich war es auch die erste Reparatur eines solchen Instruments.

Nach dem Ausbau des Instruments muss diese vorn vorne (wo die Scheibe ist) geöffnet werden. Dazu muss der umgebördelte Rand vorsichtig z.B. mit einem Schraubendreher aufgebogen werden. Dabei ist etwas Gefühl richtig, da das ganze später ja auch wieder zusammengebaut werden soll. Dann lässt sich der Bördelrahmen samt Glasscheibe vom restlichen Gehäuse trennen.

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Nach dem Öffnen kamen mir einige Krümmel entgegen. Ich dachte erst an Dreck, weil der Trac ja schon älter ist und habe mir erst nichts dabei gedacht. Aber bei genauerem Hinsehen konnte ich erahnen, dass diese Krümmel Teile eines kleinen Zahnrads waren.

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Es scheint wohl durchaus ein häufigeres Problem von älteren Instrumenten bzw. Zählern dieser Art zu sein, dass sich einzelne Zahnräder auflösen / zerbröseln. Das Material des Zahnrades war wohl nicht für eine lange Lebensdauer geeignet.
Um nun den Fehler genau lokalisieren zu können, habe ich das Instrument weiter zerlegt. Nach dem Entfernen der Schrauben auf der Rückseite des Metallgehäuses lässt sich das Innenleben vorsichtig aus dem Gehäuse entnehmen:

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Dabei sollte vorsichtig sein und auf die empfindliche Anzeigenadel aufpassen. An dieser Stelle ist es außerdem ratsam, die Ruheposition der Anzeigenadel zu markieren. Im späteren Vorgehen muss nämlich die Nadel abgenommen werden - und ohne die alte Ruheposition zu kennen, lässt sich die Nadel beim Zusammenbau schlecht richtig ausrichten.
Nachdem ich mir das Innenleben näher angeschaut habe, war recht schnell klar, wo das Problem lag:

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Zwischen dem Schneckentrieb des kleinen Elektromotors und dem weißen Partnerzahnrad fehlt ein Zahnrad komplett. Das waren die Krümmel, die mir zuvor entgegen gekommen sind!
Nun habe ich nach Ersatz gesucht. Zum Glück hatte mich ein Freund dankenswerter Weise einen Tipp gegeben und gesagt ich solle mal bei PartWorks aus Paderborn schauen (https://partworks.de/). Tatsächlich gibt es hier in der Rubrik "Gearworks" verschiedene Ersatzteile, unter anderem auch für Tachometer usw. Nach kurzer Suche fand ich das passende Zahnrad mit der Artikelnummer 2507. Um sicher zu gehen, dass das von mir herausgesuchte Zahnrad passt, hatte ich bei der Bestellung um einer Überprüfung gebeten und die Instrumentennummer sowie die Zähnezahl des weißen Partnerzahnrades (48 Zähne in meinem Fall) angegeben.

Wenige Tage später lag das Ersatzteil im Briefkasten. Somit ging es nun an den Einbau. Damit man das Zahnrad montieren kann, muss aber noch etwas weiter zerlegt werden. Als erstes habe ich den kleinen Elektromotor mit dem Schneckentrieb abgebaut (war nur eine Schraube). Anschließend muss man das mechanische Zählwerk von der Drehzahlanzeige trennen. Dazu muss die Tachonadel runter. Übrigens gibt es bei der Bestellung eine Reparaturanleitung. Hier steht unter anderem, dass man die Nadel nicht mit einem Schraubendreher herunterhebeln soll, sondern die Nadel mittig mit Daumen und Zeigefinger fassen soll und dann gegen den Uhrzeigersinn drehen und dabei vorsichtig ziehen soll. Dies hat in meinem Fall problemlos geklappt. Nach Entfernen weiterer Schrauben hatte ich dann das Zählwerk in der Hand. Nun kann man sich den Zahnrädern zuwenden.
Als erstes muss das weiße Doppelzahnrad entfernt werden, welches die niedrigste Zählwerk-Ziffer antreibt. Hierfür muss die Welle rausgedrückt werden. Das ging in meinem Fall ganz einfach unter Zurhilfenahme eines dünnen Drahtes.

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Danach kann man das weiße Partnerrad ausbauen. Dieses ist mit einer Sicherungsscheibe auf der Welle befestigt. Beim Entfernen der Sicherungsscheibe sollte man aufpassen, dass die Scheibe nicht wegfliegt. Das dritte Zahnrad ist ebenfalls durch eine solche Sicherungsscheibe gesichert. In meinem Fall war das Zahnrad selbst aber nicht mehr vorhanden. Die ausgebauten Zahnräder sowie die Wellen sollte man nun gründlich reinigen, damit die Zahnräder leicht laufen und nicht verkleben. Ich habe dazu IPA (Isopropanol) genommen. Außerdem habe ich das mechanische Zählwerk vorsichtig mit Druckluft ausgeblasen, damit keine Reststücke des zerbröselten Zahnrades später zum Blockieren führen.

Nun kann es an das Zusammenbauen in umgekehrter Reihenfolge gehen. Zuerst wird das neue Ersatzzahnrad auf die Welle geschoben und gesichert. In meinem Fall ging es nach Anbringen der Sicherungsscheibe recht schwer zu drehen. Scheinbar war der Wulst in der Mitte minimal zu breit. Eine Schlüsselfeile brachte hier Abhilfe. Nach dem die anderen beiden Zahnräder wieder montiert wurden, sollten sich alle Zahnräder relativ leicht und gleichmäßig drehen lassen. Laut der PartWorks-Anleitung sollte man die Zahnräder übrigens nicht schmieren, das sei nicht nötig und verursacht vermutlich eher mehr Probleme als es nützt.

Nach dem Verschrauben des Zählers mit der Drehzahlanzeige kann dann die Nadel wieder aufgesteckt werden. Dazu habe ich die Nadel wie zuvor gegen den Uhrzeigersinn gedreht und dabei leicht angedrückt. Wichtig ist die Ruheposition der Nadel an den zuvor gemachten Markierungen auszurichten, damit der angezeigte Wert später auch stimmt.

Beim Einsetzen des Innenlebens in das Metallgehäuse ist ggf. auf Markierungen oder Rastnasen zu achten. In meinem Fall war im Gehäuse eine Stelle, wo die umgebogene Blechfahne der Beschriftungsscheibe genau zwischen passte:

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Das Innenleben befestigt man dann im Metallgehäuse durch die Schrauben auf der Rückseite.

An dieser Stelle kam nun der spannende Moment: Ich habe einen Funktionstest gemacht und das Instrument provisorisch an den MB-Trac angeschlossen und diesen gestartet. Die Drehzahl-Nadel bewegte sich und schien auch die richtigen Werte anzuzeigen. Einen kurzen Moment später sprang dann die niedrigste Ziffer um eine Stelle weiter!  Smile Die Reparatur war also soweit gelungen.

Natürlich muss das Instrument noch wieder zugemacht werden. Dazu habe ich mir zunächst den umgebördelten Rand vorgenommen und diesen gleichmäßig mit Hilfe einer Spitzzange aufgebogen. Dann geht die weitere Montage einfacher von der Hand. Hier ist noch der Zustand vor dem Aufbiegen zu sehen:

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Nun habe ich den Haltering samt gereinigter Glasscheibe auf das Instrument gesetzt. Auch hier ist auf die Ausrichtung zu achten, da der Haltering genau drei Aussparungen für die umgebogenen Blechnasen der Drehzahlscheibe hat. Dann wird der zuvor aufgebogene Metallring aufgesetzt.
Im letzten Schritt geht es nun darum, den Rand wieder umzubördeln und das Instrument somit sicher zu verschließen. Dazu habe ich das Instrument kopfüber auf die Arbeitsfläche gesetzt und von oben mit einer Spannzwinge auf der Arbeitsplatte gesichert (vorsichtig, nur damit das Instrument nicht verrutschen kann). Zum Umbördeln habe ich mir ein kleines Stück POM (Kunststoff) gesucht, welches ich an einem Ende schmal und etwa in der Form der späteren Rundung zugeschliffen habe. Dann ging es mit leichten Hammerschlägen auf mein Hilfswerkzeug langsam rundherum. Zunächst um den Rand gleichmäßig nach innen zu biegen, in einem zweiten Durchgang dann um das Blech flach nach unten zu drücken.

Damit war mein Kombiinstrument fertig repariert und wieder einsatzbereit!

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Zur späteren Nachvollziehbarkeit habe ich auf dem Gehäuse des Instruments noch Datum und Zählerstand vermerkt, wann die Instandsetzung erfolgte.

Die Reparatur hat etwas Mühe, Geduld und Fingerspitzengefühl erfordert, war dafür aus finanzieller Sicht durchaus preiswert! In meinen Augen hat sich die Reparatur durchaus gelohnt.
Servus 


Vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast eine solch tolle und detaillierte Anleitung zu verfassen. Nicht selbstverständlich!

Lg Peter